Zwei Fahrerlose Gabelstapler am Standort Falkensee

Logistik und autonomes Fahren: Wie fahrerlose Transportsysteme unsere Prozesse optimieren

Wie wir mit fahrerlosen Transportfahrzeugen die Logistik der Zukunft umsetzen

Die mit Spannung erwarteten neuen Kollegen an einem Bremer Standort sollen bärenstark, fleißig und leise sein. Unermüdlich sollen sie Ware anliefern und abholen – und werden vermutlich in den ersten Wochen doch (oder gerade deswegen) ein wenig skeptisch beäugt. Denn sie müssen sich jetzt beweisen. Sind sie wirklich so schnell, machen sie Fehler? Arbeiten sie zuverlässig jeden Tag – oder sind die Herzblut-Kollegen:innen mit ihrer Kreativität in Halle D am Standort Bremen doch produktiver? Sie haben es wahrscheinlich gemerkt: Wir sprechen darüber, dass unsere Flotte Verstärkung bekommt – von fahrerlosen Transportfahrzeugen.

Ist autonomes Fahren die Zukunft der Logistik?

Autonomes Fahren im Straßenverkehr ist unglaublich kompliziert. In der Fahrschule haben wir gelernt, so zu fahren, als wäre der Straßenverkehr wortwörtlich unberechenbar. Reduzieren wir die Komplexität der Umgebung aber auf ein Großlager, ist das etwas anderes – noch immer eine Mammutaufgabe, aber schon heute machbar.

Im Bereich Autonomes Fahren in der Logistik verläuft der Innovationsprozess andersherum – denn die Innovation selbst ist schon da. Die Frage ist: Welche lohnenden Anwendungsfälle gibt es?

Fahrerlose Transportfahrzeuge stehen vor ähnlichen Herausforderungen wie selbstfahrende Autos

Bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge stehen wir derzeit vor Fragen, die direkt die Zukunft des Straßenverkehrs im Allgemeinen, aber auch die der Lagerlogistik beeinflussen. Zwar sind sich Hersteller einig, dass vollständig autonome Fahrzeuge letztendlich sicherer sind als menschengeführte Fahrzeuge. Es bleiben aber Fragen zur Haftung. Diese Fragen beeinflussen die Zeiträume der Entwicklung und Zulassung der fahrerlosen Transportfahrzeuge in den nächsten Jahren.

Die Frage ist: Wie autonom kann ein Lager – und irgendwann eine ganze Supply Chain - werden?

Fahrerlose Transportfahrzeuge in der Logistik: die Automatisierung der Lager

Schon heute setzen viele Logistiker halb- oder vollständig automatisierte Transportfahrzeuge ein. Es gibt Fahrzeuge, die sich auf einer farbigen Leitspur durch Lager bewegen. Automation kommt an Stützpunkten mit Transpondern und QR-Codes zum Einsatz oder durch Lasernavigation. Automatisierte Transportfahrzeuge können bereits klassische Umgebungsmerkmale interpretieren, um einen gewünschten Weg zu durchfahren.

Fahrerlose Transportfahrzeuge, abgekürzt FTF, gehen einen Schritt weiter. Sie sind autonome Beförderungsmittel mit einem eigenen Fahrantrieb und können die Aufgaben von verschiedenen Flurförderzeugen übernehmen – ganz ohne die Führung durch einen Menschen. Die autonomen Systeme orientieren und bewegen sich flexibel in der Halle, auch im Mischverkehr. Fahrerlose Transportfahrzeuge sind unter den automatisierten Transportfahrzeugen deshalb eine besonders flexible Lösung.

Fahrerloses Transportsystem von der Seite
Nahaufnahme von einen fahrerlosen Transportsystem

Die Vorteile von fahrerlosen Transportfahrzeugen:

  • Sie sind in bestehende Lagerverfahren integrierbar, etwa in vorhandene Arbeitsflächen, bestehende Fahrwege und ganze Lageraufbauten. 
  • Es besteht die Möglichkeit, weitere technische Komponenten mit ihnen zu kombinieren. Ein Beispiel ist ein Greifarm oder Roboter. Das erweitert die Dimension der Automatisierung, denn so kann ein fahrerloses Transportfahrzeug – zum Beispiel – Montagearbeiten während der Fahrt durchführen.
  • Fahrerlose Transportfahrzeuge erhöhen die Umschlagsmenge beträchtlich: Die Systeme haben geringe Ausfallzeiten und arbeiten 24 Stunden, sieben Tage die Woche.
  • An Änderungen in der Lagerstruktur passt sich das fahrerlose Transportfahrzeug ohne großen Aufwand an. Andere Lösungen bräuchten zum Beispiel neue Fahrspuren oder umgebaute mechanische und digitale Infrastrukturen. Fahrerlose Transportfahrzeuge hingegen lernen ihre neue Umgebung kennen – ähnlich wie ein Mensch sich zuerst im neuen Lager zurechtfinden müsste.

Am Standort Bremen implementieren wir zwei fahrerlose Transportfahrzeuge im Bereich Rohbau in der Industrielogistik


Die Herausforderung

In der Konservierungsanlage (diese erhöht die Haltbarkeit von Baustoffen) in Halle D am Standort Bremen werden Baumaterialien an den Packplätzen manuell durch Stapler angeliefert und entsorgt. Die Ladungsträger lagern unsere Mitarbeiter:innen dann wiederum manuell im Blocklager ein. Auch das Bewegen leerer Ladungsträger bedeutet also Aufwand, ohne der eigentlichen Ver- oder Entsorgung zu nützen.

Für die Ver- und Entsorgung braucht es viele Mitarbeitende, die Arbeit ist vergleichsweise stark standardisiert und erfordert trotzdem eine hohe Genauigkeit und Aufmerksamkeit. Dazu kommt: Der Arbeitsmarkt ist in diesem Bereich nicht sehr ergiebig. Der Rekrutierungsaufwand ist hoch und steigt weiter.

Unsere Lösung

Dieser Herausforderung treten wir mit fahrerlosen Transportfahrzeugen entgegen. Nach einem erfolgreichen 100-Tage-Projekt möchten wir mindestens zwei fahrerlose Transportfahrzeuge dauerhaft implementieren – und perspektivisch den Kosten- und Qualitätsvorteil an diesem und weiteren Standorten skalieren. Für bestehende Mitarbeitende werden durch den Einsatz von FTF Kapazitäten frei. So können sich Mitarbeitende, die vorher in Arbeitsprozessen gebunden waren, die jetzt ein FTF übernimmt, in Zukunft weiterbilden und anspruchsvollere Aufgaben übernehmen.

Wir sind trotz der bevorstehenden Herausforderungen sicher: Vor allem im Zusammenspiel mit anderen Anwendungen des Internets of Things in der Logistik sind wir auf dem Weg in eine Revolution. Die Logistik 4.0 ermöglicht große Lagerkomplexe, die weitgehend ohne manuelle Tätigkeiten eines Menschen auskommen.

Erfahren Sie mehr über die Innovationen und digitale Transformation in der BLG:

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